Das high-tech Ehrenamt als Ergänzung zum Wohlfahrtsstaat?

Peter Fleissner

In den vergangenen Jahrzehnten geriet der traditionelle Wohlfahrtstaat in Westeuropa mehr und mehr unter den Druck verschiedener Stress-Faktoren: Seine angeblich so hohen Kosten und seine relativ niedrige Effektivität waren von einer generellen Verschlechterung des Rufes der öffentlichen Verwaltung begleitet. In den Reformländern des Ostens zeichnen sich seit zehn Jahren noch gravierendere Probleme ab: Der Mangel an finanziellen Ressourcen im Verbund mit ungebremsten neoliberalen Ideen unterminiert die noch verbliebene Funktionstüchtigkeit der vormalig hoch gepriesenen sozialen Sicherheit.

Alternativen sind gefragt: Weder sind die Großorganisationen in der Lage, mit dem raschen sozialen Wandel mitzuhalten, noch können – im Gegensatz zum Glauben an den methodischen Individualismus der US amerikanischen Mainstream-Ökonomen – die Einzelnen, auf sich alleine gestellt, die Schicksalsschläge des menschlichen Lebens adäquat bewältigen.

Im Referat werden Beispiele alternativer gruppenorientierter Konzepte vorgestellt, die von neuen elektronischen Medien, entsprechender Ausbildung und staatlicher Hilfe begleitet werden:
"Peer Group Care", ehrenamtlich tätige elektronisch vernetzte Gruppen bieten persönliche und soziale Hilfestellung, "Studienzirkel" ergänzen die traditionelle schulische Bildung, "Workers' Health Assurance Groups" verbessern mit Unterstützung der Gewerkschaften den Gesundheitszustand im Betrieb, und "Intrapreneurial Groups" ermöglichen weniger entfremdete und selbstorganisierte Arbeit im Großunternehmen.

Diese vier Beispiele sollen dazu anregen, nachzudenken, wie die Zielsetzungen des traditionellen Wohlfahrtsstaates durch alternative Mittel erreicht werden können. Sie wären zunächst als Ergänzung, später als Konkurrenz und schließlich als Ersatz der großen sozialstaatlichen Institutionen (soziale Wohlfahrt, Gesundheits- und Bildungswesen) gedacht.