Zwischen Evolution und Transformation: Digitale Medien in der Alltagswelt
Reinhard Keil-SlawikTransformation bezeichnet die Umgestaltung oder die Umformung, aber auch die Übertragung. Transformationen vollziehen sich meist in einer Sphäre der geplanten oder gar gesteuerten Umformung: Das angestrebte Ergebnis steht fest. Wo jedoch der Prozess weder planvoll noch in seinem Ergebnis vorhersagbar verläuft, sprechen wir in der Regel nicht mehr von Transformation, sondern benutzen Begriffe wie z. B. Evolution. Kennzeichen für evolutionäre Prozesse ist, dass sie irreversibel und selbstorganisierend sind und dass sie demzufolge nicht steuerbar sind bzw. das Ergebnis nicht vorhersagbar ist. Transformationsprozesse sind direkt gestaltbar; evolutionäre Prozesse dagegen lassen sich nur indirekt über die Gestaltung des Umfeldes beeinflussen, in dem sie stattfinden.
In Bezug auf digitale Medien sind beide Aspekte angesprochen. Das liegt an der Natur des Phänomens Software, die allen digitalen Medien zugrunde liegt. Die Zeichen einer Programmiersprache steuern maschinelle Abläufe stehen aber zugleich in weiten Bereichen für soziales Verhalten. Das gilt nicht nur für den Einsatz, sondern auch für die Entwicklung, denn es ist erst die Zeichenhaftigkeit der digitalen Steuerungen (Software), die ihre intellektuelle Beherrschbarkeit ermöglicht.
Nahezu alle Produkte und Verfahren im wirtschaftlichen, politischen und privaten Raum werden mittlerweile mit und durch neue Medien verändert. Die Produktive Nutzung digitaler Medien setzt dabei voraus, dass transformative und evolutionäre Prozesse gemeinsam betrachtet werden müssen. Stichworte wie "lebensbegleitendes Lernen" "neue Lernkultur" und "Wissensmanagement" machen deutlich, dass das zukünftige Arbeitsleben mehr denn je durch die Fähigkeit zur geistigen Anpassung an veränderliche Arbeitsbedingungen geprägt ist. Anpassen durch Lernen wird zum entscheidenden Erfolgsmoment zukünftiger Arbeits- und Freizeitwelten auf allen Ebenen der gesellschaftlichen Entwicklung.
Die Begriffe Transformation und Evolution sollen gebraucht werden, um wichtige Aspekte in Bezug auf den zunehmenden Einsatz digitaler Medien und die damit verbundenen Konsequenzen zu verdeutlichen.