Betriebliche Arbeitsbeziehungen im Zeichen von Flexibilisierung und shareholder value.

Hermann Kotthoff Zwischen Verbetrieblichung und Auflösung des Betriebs

Das System der industriellen Beziehungen ist gegenwärtig unter Druck geraten. Die nachlassende Bindewirkung von Flächentarifverträgen verändert die gewohnte Arbeitsteilung zwischen Gewerkschaften und Betriebsräten. Die Bedeutung des Betriebsrats als Verhandlungspartner nimmt zu (Verbetrieblichung). Durch weitreichende Restrukturierungen in den global operierenden Großunternehmen (Matrix-Organisation; internationale Produktionsnetzwerke) wird aber gleichzeitig der Betrieb als politische Arena ausgehöhlt, indem die strategischen Entscheidungen in räumlich entfernte Steuerungseinheiten zentralisiert wurden. Dem Betriebsrat droht der Verhandlungspartner abhanden zu kommen. Zudem fürchten viele Beobachter, dass die Globalisierung zu einer internationalen Angleichung – und das hieße für Deutschland einer Absenkung – der Standards und Strategien der Arbeitsbeziehungen führt (Sozialdumping). In dem Referat wird die These vertreten, dass trotz des starken Veränderungsdrucks die tragenden Elemente des deutschen Modells der betrieblichen Arbeitsbeziehungen – insbesondere die Institution Betriebsrat – gute Chancen haben zu überdauern, weil sie kulturell tief verankert sind, und weil auch weiten Teilen des Managements ihre Vorteile bewusst sind.