"Selbstmanagement" – Neue Anforderungen an Jugendliche beim Einstieg ins Erwerbsleben

Wilfried Kruse

Die tradierten Systeme des "Übergangs" von Schule ins Erwerbsleben sind in allen europäischen Ländern im Verlaufe des letzten "langen" Jahrzehnts in die "Krise" geraten. Als brisante "Schnittstelle" zwischen bildungs-, sozial- und arbeitsmarktpolitischen Entwicklungen und Strategien und biografischen Projekten unterliegen die Übergangs-Systeme in besonderer Weise dem Druck forcierten gesellschaftlichen Wandels. Die Auflösung überkommener und eingespielter "Muster" in Verbindung mit einem sozialen Erfahrungs-Kontext, der von langandauernder Massenarbeitslosigkeit geprägt ist, führt zu weitverbreiteter Verunsicherung. Diese wird zunehmend als individuelles Problem erlebt und Scheitern als persönliches Versagen - dies ist die "dunkle Seite" der mit Individualisierung gesetzten und gewünschten Eigenverantwortlichkeit.

In der Figur des selbstbewussten und enttäuschungsfesten "Optimierers" treffen wir den Gegenentwurf: der "Optimierer" oder die "Optimiererin" betrachtet den "Übergang" als chancenreichen, zukunftsoffenen Suchprozess, dessen "Kompass" nicht nur, und möglicherweise nicht einmal primär, "Vertragssicherheit" und "Geldverdienen" ist, sondern eine Annäherung an die gewünschte Lebensführung, in der "Arbeit, die Spaß macht" einen wichtigen Stellenwert hat.

In anderer – nämlich verhaltensstrategischer – Perspektive kann man dieses "Optimieren" Selbstmanagement nennen, weil es nicht nur ein Such-, sondern zugleich ein Selbstbildungs-Prozess und eine performance ist. "Selbstmanagement" als Anforderung generalisiert sich gegenwärtig, was auch durch das korrespondierende label "Lebenslanges Lernen" angezeigt ist. Die hierfür erforderlichen Kompetenzen allerdings sind bislang keineswegs zu einem generalisierten "Besitz" geworden: "Selbstmanagement" wird zu einer neuen, stark individualisierten Scheidelinie sozialer Ungleichheit, an der neue Konturen von (Ressourcen-) Armut zu erkennen sind. Dies weist als dringende Frage auf das "Übergangs-System" und seine Bildungs- und soziale Unterstützungs-Leistung zurück. Selbstmanagement bedarf eines adäquaten sozialen Unterstützungssystems, das auch auf Alltagssolidarität ausgelegt sein muss.
"BerufsWegeBegleitung" könnte ein sinnvoller Ansatz sein.