FORBA-Newsletter Dezember 2025
- Neue Projekte
- Neue Forschungsergebnisse
- Neue Publikationen
- Frauenorientierte Pensionsworkshops
- Neues Video zu Long Covid
Neue Projekte
Internationaler Vergleich der Lehrer:innenausbildung
Die Lehrer:innenausbildung zielt darauf ab, Lehrkräfte mit den nötigen fachlichen, pädagogischen und praktischen Kompetenzen auszustatten, um qualitativ hochwertigen Unterricht zu gewährleisten und die Attraktivität des Lehrberufs zu steigern. Die von der Arbeiterkammer Wien beauftragte Studie hat zum Ziel, zu erforschen, wie die Lehrer:innenausbildung der Sekundarstufe in ausgewählten Ländern (Österreich, Estland, Frankreich, Italien, Niederlande) aufgebaut ist und wie und warum es zu den unterschiedlichen Systemen gekommen ist. Ein besonderer Fokus soll dabei auf Fachdidaktik und Praxiseinheiten liegen. Link
Provision of scheduled and on-request reporting services – Network of Eurofound Correspondents
FORBA hat zum wiederholten Male den Eurofound-Rahmenvertrag für „Reporting Services“ erhalten. Der Vierjahresvertrag läuft von 2026 bis 2030. Das Netzwerk berichtet über folgende Themen in den Bereichen Arbeitsbeziehungen und Arbeitsbedingungen: Regulierung von Beschäftigungsverhältnissen inkl. den entsprechenden Institutionen und Prozessen auf verschiedenen Ebenen (Gesetzesebene, kollektive Ebene und am Arbeitsplatz) sowie Arbeitsbedingungen und nachhaltige Arbeit bzw. das Arbeitsumfeld. Die Eurofound-“Reporting Services” bieten aktuelle Forschung und vergleichende Informationen für alle 27 EU-Mitgliedsstaaten und Norwegen. Als nationale Korrespondentenstelle berichtet FORBA über entsprechende Entwicklungen in Österreich. Link
Transformation der Industrie am Beispiel greentec steel der voestalpine
In einem mehrstufigen Begleitprozess analysieren FORBA und IFES im Auftrag der AK Wien die Transformation der voestalpine in Richtung „grüner Stahl“, d.h. die Umstellung von der Hochofen- auf die Elektrostahlroute an den Standorten Linz und Donawitz. In der zweiten Phase des FORBA-Teils steht die organisatorische Umstrukturierung inkl. Transformationsmanagement des Programms greentec steel im Fokus, ca. 1 Jahr vor dem Hochlauf der ersten Elektrolichtbogenöfen. Dabei wird besonders auf Erwartungen, faktische Veränderungen und deren Auswirkungen aus der Perspektive einzelner Beschäftigtengruppen eingegangen, die von dieser Transformation unterschiedlich betroffen sind. Link
Frauen im Aufsichtsrat österreichischer Unternehmen
Im Jahr 2025 lag der Frauenanteil in den 32 großen börsennotierten österreichischen Unternehmen mit Quotenvorgaben bei 38%, der Frauenanteil in den übrigen börsennotierten Unternehmen ohne Quotenvorgaben erreichte nur 21%, und in zehn (meist kleineren) börsennotierten Unternehmen gibt es noch überhaupt keine Frau im Aufsichtsrat. Ziel der qualitativen Studie ist es, den Auswahlprozess und das Profil weiblicher Aufsichtsratsmitglieder in Österreich näher zu analysieren, um daraus Ansätze zur Förderung weiblicher Führungskräfte bzw. zur Diversität im Aufsichtsrat ableiten zu können. Link
Neue Forschungsergebnisse
Studie “Grüne Berufswanderkarten” entwirft Pfade für Wechsel in postfossile Arbeitswelten
Die von FORBA gemeinsam mit abif im Auftrag der AK Wien durchgeführte Studie “Grüne Berufswanderkarten” entwirft für ausgewählte Berufe, die von der Klimakrise und dem ökologischen Umbau betroffen sind, Qualifizierungsmöglichkeiten für Wechsel in andere Tätigkeiten, die bereits stark nachgefragt sind oder sein werden. Der Hauptfokus liegt auf Personen mit langjähriger beruflicher Erfahrung und mittlerer Formalqualifikation, für die eine Veränderung notwendig wird und auch erreichbar ist. Für folgende Ausgangsberufe wurden konkrete Berufswanderkarten erarbeitet: 1. Installations- und Gebäudetechnik, Modulberuf Gas- und Sanitätstechnik; 2. Fachhelfer:in Bau- und Baunebengewerbe, Lehre nach der Matura (für das Baugewerbe); 3. KFZ-Techniker:in; 4. Metalltechniker:in in der Fahrzeug-Industrie; 5. Flugbegleiter:innen; 6. Beschäftigte im Wintertourismus mit Fokus auf Seilbahntechniker:in/Liftwart:in; 7. Tankstellenpersonal, Fokus auf technisches Service; 8. Quereinstiege in pädagogische (MINT-)Berufe; 9. Wechsel in wissensbasierte ökologische Dienstleistungen
Link zur Studie
Lebens- und Arbeitsbedingungen von Kameraleuten in Europa
Eine FORBA-Online-Umfrage zu den Arbeitsbedingungen von Kameraleuten in Europa, die von Andreas Schadauer und Georg Adam durchgeführt wurde, bestätigt, dass Kameraleute oft unter äußerst prekären Bedingungen arbeiten und leben. Viele von ihnen sind als Scheinselbstständige anstatt in regulären Beschäftigungsverhältnissen tätig, die Arbeit fällt in der Regel projektbezogen an. Dies impliziert unregelmäßige Arbeitszeiten, unbezahlte Mehrarbeit, wechselnde Arbeitsorte und längere, wiederkehrende Phasen der Erwerbslosigkeit sowie Versicherungslücken. Weibliche Kameraleute sind häufig von Diskriminierung und sexueller Belästigung betroffen. Die Ergebnisse der Studie, die von IMAGO (Internationale Konföderation der Kameraleute) in Auftrag gegeben wurde, wurden am 11. November 2025 im Europäischen Parlament in Brüssel präsentiert. Link zur Studie
Neue Publikationen
Eurofound-Publikationen mit FORBA-Beteiligung
Im vergangenen Halbjahr wurden einige Berichte von Eurofound, der Europäischen Stiftung für die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen, mit Beteiligung des Netzwerks europäischer nationaler Korrespondent:innen (Bernadette Allinger, Georg Adam) veröffentlicht:
Dem Themenfeld der pflegenden Angehörigen widmet sich der Bericht „Unpaid Care in the EU” (Link), erschienen im Juli 2025. Der Bericht analysiert die Definition pflegender Angehöriger in der EU und untersucht nationale Strategien zu ihrer Unterstützung.
Ebenfalls im Juli 2025 wurde der jährlich erscheinende Bericht „Minimum wages in 2025: Annual review” (Link) veröffentlicht. Der Beitrag präsentiert die Mindestlohnsätze für 2025 und erläutert deren Festlegung und Anpassung im Jahr 2024. Er enthält Informationen sowohl zu Ländern mit als auch ohne gesetzlichen Mindestlohn.
Im September 2025 erschien der Bericht “Mental health: Risk groups, trends, services and policies” (Link). Er zielt darauf ab, die Verbreitung psychischer Erkrankungen in verschiedenen Bevölkerungsgruppen besser zu verstehen, zeitliche Trends zu identifizieren und Zugangsbarrieren zu entsprechenden Hilfsangeboten aufzuzeigen. Er untersucht außerdem politische Maßnahmen im Bereich der psychischen Gesundheitsversorgung sowie Maßnahmen in anderen Bereichen (insbesondere Schulen und Betrieben) zur Prävention und Behandlung psychischer Erkrankungen.
Im Oktober 2025 erschien der Bericht “Digitalisation of social protection” (Link), der sich mit der Digitalisierung von Front- und Backoffice-Prozessen im Bereich monetärer Sozialleistungen befasst.
Anfang Dezember 2025 wurden schließlich zwei Berichte veröffentlicht, die sich mit den Auswirkungen der „twin transition“ in Europa, also des grünen und digitalen Wandels, auf zwei verschiedene Branchen, nämlich die Bauwirtschaft und den Tourismus, im Hinblick auf Beschäftigung, Qualifikationen, Arbeitsorganisation und Arbeitsbedingungen beschäftigen: “Building on growth potential: Preparing the construction sector for the twin transitions” (Link) und “Sustainable tourism in a digital age: Implications of the twin transitions for employment, working conditions and industrial relations” (Link)
Zu guter Letzt wurden zwischen September und Dezember 2025 fünf Repräsentativitätsstudien veröffentlicht, für die Branchen Grafik/Druck, Arbeitskräfteüberlassung, Lederindustrie & Gerberei, Schuhindustrie sowie Häfen. Alle Repräsentativitätsstudien sowie nähere Informationen darüber sind hier abrufbar.
Technostress in der Arbeit aus der Geschlechterperspektive
In diesem von Myriam Gaitsch und Philip Schörpf auf Englisch verfassten Artikel werden die Belastungen moderner, digitaler Büroarbeit anhand des Konzepts „Technostress“ mit einem Fokus auf geschlechtsspezifische Dynamiken untersucht. Ein exploratives Fallstudiendesign, u.a. mit Interviews, Tätigkeitsprotokollen und Fokusgruppen, zeigt zentrale Stressfaktoren: die ständige Erreichbarkeit über digitale Kommunikationskanäle, Überlastung durch die Nutzung verschiedener digitaler Systeme sowie Unwissen über deren Funktion und Wirkungen – etwa im Zusammenhang mit Leistungsüberwachung. Insbesondere Mütter mit betreuungsbedürftigen Kindern nützen die Möglichkeiten der digitalen Arbeitsorganisation. Dadurch sind sie auch besonders von den Herausforderungen betroffen, denn sie balancieren Arbeit und Kinderbetreuung über flexible Arbeitszeiten und hohe digitale Erreichbarkeit. Um mit den Belastungen digitalisierter Arbeitsumgebungen besser zurechtzukommen, entwickeln alle Beschäftigten individuelle Bewältigungsstrategien, die ihrerseits mit beträchtlichem Zeit- und Ressourcenaufwand verbunden sind. Link
Sammelband zu Rassismus und Wohlfahrtsstaat
Vor Kurzem ist der Sammelband „Welfare Racism“ erschienen, der einen Beitrag von FORBA-Mitarbeiter Andreas Schadauer zur Situation in Österreich enthält. Das Buch vereint Analysen rassistischer Diskurse rund um den Wohlfahrtsstaat in unterschiedlichen Ländern und zeigt, wie diese Narrative soziale Ungleichheit legitimieren und in Migrations- sowie Sozialpolitik strukturell verankert sind. Das Kapitel zur österreichischen Situation beleuchtet die besondere Rolle der Figuren des „Gastarbeiters“ und des „Sozialschmarotzers“ in aktuellen Debatten. Anhand einer Analyse von Zeitungsartikeln wird deutlich, wie solche Zuschreibungen nicht nur rassistische, sondern auch klassistische Fragmentierungen erzeugen und verstärken. Damit knüpft der Beitrag an die zentrale These des Buches an, dass Wohlfahrtsrassismus eng mit kapitalistischen und autoritären Strukturen verwoben ist, und zeigt exemplarisch, wie diese Dynamiken im österreichischen Diskurs über Arbeit, Arbeitsbereitschaft und soziale Zugehörigkeit wirksam werden. Weitere Informationen zur Publikation finden Sie hier.
VÖGB-Broschüre zu Mitbestimmung und Datenschutz
Thomas Riesenecker-Caba ist Mitautor der Neuauflage der VÖGB-Broschüre „Verarbeitung von personenbezogenen Mitarbeiter:innen-Daten. Mitbestimmung und Datenschutz“ (im Rahmen der Reihe „Praktische Gewerkschaftsarbeit“), die aufgrund der neuen Bestimmungen aus der KI-Verordnung erweitert wurde. Link zur Broschüre
Frauenorientierte Pensionsworkshops
Mit Pensionswissen die Handlungsmöglichkeiten von Frauen erweitern
Das Pensionsvermögen in Form von Pensionsansprüchen ist für viele Menschen das größte finanzielle Vermögen, das sie im Laufe ihres Lebens aufbauen. Die Höhe dieses Vermögens hängt auch davon ab, wie viel sie über das österreichische Pensionssystem wissen. Eine niederschwellige Möglichkeit, sich dieses Wissen anzueignen, bietet das frauenorientierte Informationsangebot der FORBA-Pensionsexpertin Ingrid Mairhuber. Nähere Infos sowie Termine für die nächsten Workshops finden Sie hier.
Video zu Long Covid
Was bleibt von der Pandemie in der Arbeitswelt? Ergebnisse zu Langzeitfolgen und zum Umgang mit Long Covid
Zuletzt möchten wir noch auf ein Projekt aufmerksam machen, an dem FORBA nicht direkt beteiligt ist, bei dem allerdings die FORBA-Mitarbeiterin Agnes Fessler als Forscherin der Universität Osnabrück mitwirkt. Sie forschte zusammen mit Prof. Hajo Holst und Steffen Niehoff (Universität Osnabrück) im Rahmen des COFONI Arbeitswelt-Monitors zu diesen Fragen, finanziert vom Covid-19-Forschungsnetzwerk des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur. Erstmals liefert eine repräsentative Erwerbstätigenbefragung vom Sommer 2025 belastbare Zahlen für Deutschland zur Verbreitung von Post Covid in der Arbeitswelt: 9% der Erwerbstätigen gaben an, unter Post Covid gelitten zu haben oder aktuell zu leiden. Post Covid bezieht sich nach Definition des Robert Koch-Instituts auf Beeinträchtigungen, die länger als drei Monate anhalten. Angesichts dieser Zahlen sollte das Thema in Zukunft stärkere Beachtung in den Betrieben finden. Die große Mehrheit der Betroffenen arbeitet trotz ihrer Einschränkungen ohne Anpassungen der Arbeitsbedingungen weiter. Pacing als individuelle Belastungssteuerung ist ein zentraler Hebel im Umgang. Problematisch ist, dass laut den Forschenden nur 10% der Betroffenen am eigenen Arbeitsplatz die Möglichkeit haben, Pacing umzusetzen. Dies schränkt die gesellschaftliche Teilhabe von Betroffenen massiv ein.
Kürzlich wurde ein niederschwelliges Transfervideo zum Arbeiten mit Long Covid veröffentlicht: Link
Mehr Informationen zu den Ergebnissen: Link
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