FORBA-Fachgespräch 1/2019

Chinas geopolitische Interessen und wirtschaftliche Aktivitäten in Europa und Österreich – Chance oder Bedrohung?

Montag, 24. Juni 2019, 17:00 – 19:00 Uhr
FORBA, Aspernbrückengasse 4/5, 1020 Wien (Nähe Urania)

Anmeldungen unter folgender E-Mail-Adresse: office@forba.at (begrenzte TeilnehmerInnenzahl)

Vor dem Hintergrund verstärkter Investitionen in Infrastruktur und Schlüsselindustrien durch chinesische Betriebe während des letzten Jahrzehnts weltweit, aber auch in weiten Teilen Europas, werden bei diesem FORBA-Fachgespräch die geopolitischen Strategien und ökonomischen Interessen Chinas insbesondere in Europa diskutiert. Die zunehmenden Aktivitäten chinesischer Investoren in Europa werden bisweilen zwiespältig aufgenommen. Zum einen werden v.a. Betriebsneuansiedlungen durch chinesische Investoren und der Kapitalfluss nach Europa begrüßt, zum anderen jedoch Befürchtungen vor einem Ausverkauf von industriepolitisch und technologisch bedeutsamen Unternehmen geäußert. Kritisch betrachtet wird auch die mangelnde Reziprozität der wirtschaftspolitischen Beziehungen zwischen Europa und China. Im FORBA-Fachgespräch wird schwerpunktmäßig zunächst die sogenannte chinesische „Seidenstraßeninitiative“, insbesondere aus europäischer Sicht, diskutiert, bei der es China v.a. um die Schaffung eines Handels- und Infrastrukturnetzwerks zur Erschließung des Weltmarktes für das „Reich der Mitte“ gehen dürfte. Im zweiten Teil der Veranstaltung werden Firmenbeteiligungen und -aufkäufe durch chinesische Investoren in Österreich analysiert, wobei hier der Fokus auf die Auswirkungen für die Beschäftigten gelegt wird.

Programm

Arnold Schuh
Die chinesische Belt and Road Initiative aus europäischer Sicht
Die 2013 von Chinas Präsident Xi Jinping in Gang gesetzte „Belt and Road Initiative“ bzw. „Neue Seidenstraße“ ist das größte Investitionsvorhaben unserer Zeit. Dieses von geostrategischen Interessen geleitete chinesische Prestigeprojekt zielt auf die Errichtung neuer und Verbesserung bestehender ökonomischer Korridore zu Wasser und zu Land zwischen China, Südost- und Zentralasien, Afrika und Europa ab. Über enorme Investitionen in Infrastruktur und Transportwesen sollen die Konnektivität zwischen den Regionen verbessert, der Handel erleichtert und damit die wirtschaftliche Entwicklung von bisher wirtschaftlich rückständigen Regionen in China und entlang der Seidenstraße vorangetrieben werden. Am europäischen Ende stehen Südost- und Mitteleuropa derzeit im Fokus der Initiative. Bisher wurden Infrastrukturprojekte im Wert von rund 12 Mrd. Euro in dieser Region finanziert. In diesem „erweiterten Heimmarkt“ treffen nun die Interessen österreichischer Regional Players auf die chinesische Globalisierungsoffensive.

Georg Adam
Firmenübernahmen und -beteiligungen durch chinesische Investoren in Österreich aus Beschäftigtensicht
Georg Adam präsentiert eine FORBA-Studie, die von der AK Wien in Auftrag gegeben, von der Hans-Böckler-Stiftung finanziert wurde und ähnlich einer deutschen Vergleichsstudie die Auswirkungen chinesischer Investitionstätigkeiten in österreichischen Firmen auf die betrieblichen AkteurInnen in den Blick nimmt. Auf Grundlage empirischen Materials (qualitative Interviews mit betrieblichen AkteurInnen sowie nicht-betrieblichen ExpertInnen) werden die Motive der chinesischen Investoren für ihr Engagement in Österreich, (mögliche) Veränderungen der Businessstrategien nach dem Einstieg des Investors, das Verhältnis zwischen lokaler Geschäftsführung und chinesischem Eigentümer, die Gefahr des Know-how- und Technologietransfers sowie Auswirkungen auf die betriebliche Mitbestimmungspraxis verhandelt.

Die Vortragenden

Arnold Schuh ist Assistenzprofessor und Direktor des Competence Center for Emerging Markets & CEE an der Wirtschaftsuniversität Wien. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Strategien multinationaler Unternehmen in Schwellenländern, speziell in Mittel- und Osteuropa.

Georg Adam ist wissenschaftlicher Mitarbeiter bei FORBA und beschäftigt sich vorzugsweise mit (internationalen) Arbeitsbeziehungen auf empirisch-vergleichender Basis.

Anmeldungen unter folgender E-Mail-Adresse: office@forba.at

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