Projekt COMBECA – Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenpflege

Ein internationales Forschungsprojekt der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (FORBA) in Wien und der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Olten, gefördert durch den Austrian Science Fund (FWF), Projektnummer
I 4840-G

Die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenpflege gewinnt aufgrund demografischer, sozialer und politischer Entwicklungen immer stärker an Bedeutung. Obwohl Vereinbarkeitsversuche oft sowohl für Betroffene als auch für Betriebe sehr belastend sind, zu Qualitätsproblemen und Konflikten führen können und häufig mit einem Rückzug bzw. vorzeitigen Ausscheiden der Betroffenen aus dem Erwerbsleben enden, ist die Thematik sowohl in Österreich als auch in der Schweiz bisher wenig erforscht – und auch international gibt es wenig differenziertes und abgesichertes Wissen dazu. Insbesondere fehlen Befunde dafür, was auf der betrieblichen Ebene überhaupt sichtbar wird. Auch weiß man wenig über das Zusammenspiel von allfälligen betrieblichen Maßnahmen und Praktiken mit individuellen und familiären Bedarfen sowie sozialpolitischen Regelungen und Leistungen. Dieses von der wichtigsten österreichischen Forschungseinrichtung, dem FWF, geförderte Forschungsprojekt untersucht deshalb exemplarisch in einigen Bundesländern und einigen Betrieben, wie Betroffene und Betriebe mit den Herausforderungen umgehen, welche Lösungen sie dabei entwickelt haben und welche Erfahrungen dabei gemacht wurden.

Zu den Forschungsfragen zählen u.a.:

  • In welchem Umfang sind Beschäftigte und Betriebe von der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenpflege betroffen?
  • Wie gehen zentrale AkteurInnen im Betrieb (z.B. Geschäftsführung, Personalverantwortliche, Personalvertretung) mit der Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenpflege um?
  • Wie organisieren pflegende Beschäftigte die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenpflege und wie sind deren KollegInnen davon betroffen?
  • Welche Rolle spielen Aspekte wie die betriebliche Arbeitskultur, das Geschlecht, das Einkommen oder die Qualifikation der pflegenden Beschäftigten für die Vereinbarkeit?
  • Welche sozialpolitischen Maßnahmen und Angebote sind für die Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Angehörigenpflege sowohl für die Beschäftigten als auch den Betrieb hilfreich bzw. welche Erweiterungen und Verbesserungen wären notwendig?

Wie wird in den Betriebsfallstudien geforscht?

In Österreich sind im Rahmen von COMBECA insgesamt sechs Betriebsfallstudien in Unternehmen unterschiedlicher Größen und Branchen in vier Bundesländern (Niederösterreich, Steiermark, Vorarlberg, Wien) geplant. In den Betriebsfallstudien wird zunächst eine Diagnose erstellt.

In einem ersten Schritt werden Gespräche mit der Firmenleitung und/oder anderen Schlüsselpersonen über die Studie geführt und es wird eine Übereinkunft über die konkrete Vorgangsweise erzielt. Mit einer für Personalagenden zuständigen Person wird ein erstes problemzentriertes Interview geführt.

In einem zweiten Schritt wird mit Hilfe einer sehr fokussierten Mitarbeiterbefragung (kurzer Online-Fragebogen) erhoben, in welchem Umfang MitarbeiterInnen versuchen, diese unterschiedlichen Aufgaben zu vereinbaren, wie sie die Vereinbarkeitssituation auf betrieblicher Ebene einschätzen, wie sie von Vorgesetzten und KollegInnen unterstützt werden etc.

Danach folgen weitere problemzentrierte Interviews mit relevanten betrieblichen AkteurInnen (vor allem Geschäftsführung, Personalvertretung, Gesundheitsschutz). Fokusgruppen sowie vertiefende Interviews mit Betroffenen werden eine umfassende Beschreibung ermöglichen. Insbesondere wird auch erhoben, welche Maßnahmen und Angebote auf betrieblicher Ebene bisher schon bestehen, wie diese in der Praxis genützt werden und welche Erfahrungen damit gemacht werden konnten.

Abschließend bekommen die Betriebe eine systematische Rückmeldung zu den Ergebnissen, die ihnen helfen können, gute Lösungen für Vereinbarkeitsprobleme in ihrem Bereich zu finden.

Erwartbare Ergebnisse für beteiligte Betriebe:

  • Beschreibung, wie viele MitarbeiterInnen in welchen Bereichen von Vereinbarkeitsproblemen betroffen sind
  • Grundlagen für ein besseres Verständnis der Situation von Beschäftigten, die Angehörige pflegen
  • Grundlagen für ein besseres Verständnis der Herausforderungen für Vorgesetzte und KollegInnen, die im Alltag mit den Auswirkungen von Vereinbarkeitsversuchen umgehen müssen
  • Hinweise auf die Wirksamkeit bisheriger angewandter Lösungsversuche auf betrieblicher Ebene und auf Ansatzpunkte zur Weiterentwicklung bzw. Verbesserung
  • Vergleichsmöglichkeiten mit anderen an der Studie beteiligten Betrieben
  • Bei Interesse von Seiten der Betriebe: betriebsbezogene Empfehlungen für den Umgang mit den identifizierten Herausforderungen

Laufzeit des Forschungsprojektes
März 2021 – August 2024; Betriebsfallstudien: Februar 2022 – Oktober 2023

Projektteam in Wien

  • Doz. Dr. Karl Krajic (FORBA), Projektleitung
  • Mag.a Dr.in Ingrid Mairhuber, (FORBA), Senior Researcher
  • Charlotte Dötig MA (FORBA), wissenschaftliche Mitarbeiterin
  • Viktoria Quehenberger MA (FORBA), wissenschaftliche Mitarbeiterin

Kontakt

Mag.a Dr.in Ingrid Mairhuber
Forschungs- und Beratungsstelle
Arbeitswelt (FORBA)
A-1020 Wien, Aspernbrückengasse 4/5
Telefon: +43 (0)1 2124700-66
E-Mail: mairhuber@forba.at
Priv. Doz. Dr. Karl Krajic
Forschungs- und Beratungsstelle
Arbeitswelt (FORBA)
A-1020 Wien, Aspernbrückengasse 4/5
Telefon: +43 (0)1 2124700
E-Mail: krajic@forba.at

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